Deaflympics 2009: "Taipeh hat alles übertroffen"Die Olympischen Spiele der Gehörlosen – Werner Lackerbauer war dabei
Im taiwanischen Taipeh fanden Anfang September die 21. Sommer-Deaflympics statt - für Schützen Werner Lackerbauer nicht nur wegen seiner Medaille ein besonderes Erlebnis.
26 deutsche Meistertitel, neun Weltrekorde und fünf Mal Gold bei Europameisterschaften – die Erfolgsgeschichte von Werner Lackerbauer war schon vor den diesjährigen Deaflympics in Taipeh lang. Dennoch kehrt der Schütze mit einem ganz besonderen Gefühl von den Olympischen Spielen der Gehörlosen zurück: "Taipeh hat alles übertroffen“, sagt Lackerbauer – und meint damit nicht nur den Gewinn der Silbermedaille mit der Schnellfeuerpistole. "Unbeschreibliche" Atmosphäre im deutsche Gehörlosen-Team"Unbeschreiblich“ nennt Lackerbauer das Erlebte im taiwanischen Taipeh: "Die Stimmung im gesamten deutschen Team war einfach super.“ Genau diese Atmosphäre bei den Deaflympics war es auch, die Lackerbauer 2001 zum Schießsport gebracht hat. Nach einer nicht minder erfolgreichen Karriere in der Leichtathletik und als Faustballer begeisterten Lackerbauer bei den Deaflympics in Rom vor allem die Schützen, und verleiteten ihn zu einer neuen Karriere. Die 21. Sommer Deaflympics in Taipeh waren nun schon Lackerbauers zweite Teilnahme an dem Wettbewerb der Gehörlosen. Über 3.500 Sportler aus 74 Nationen machten die Veranstaltung in diesem Jahr zu einem Mega-Event, in 19 Sportarten wurden Sieger ermittelt. Und auch Lackerbauer hatte sich viel vorgenommen. Schnellfeuerpistole: Silber für Werner LackerbauerNach der Bronzemedaille mit der Schnellfeuerpistole im Jahr 2005 wollte er durch Routine überzeugen, im ersten Wettbewerb glückte dieses Vorhaben jedoch noch nicht: Nach einem schwachen Vorkampf mit der Luftpistole reichte auch die starke Leistung im Finale nur zum fünften Platz für den Kirchheimer. Im Finale mit der Schnellfeuerpistole lag Lackerbauer jedoch nach der Qualifikation auf einem aussichtsreichen vierten Platz. "Gold war eigentlich möglich“, sagt der 44-Jährige im Nachhinein, "dazu gehört aber auch immer ein bisschen Glück.“ Über die Silbermedaille nach dem zweitbesten Finalergebnis kann sich Lackerbauer dennoch freuen: "Ich habe gehofft, mit einer Medaille nach Hause zu fahren, deshalb bin ich mehr als zufrieden.“ Eindrucksvollste Deaflympics der GeschichteFür Lackerbauer stand die sportliche Leistung aber keineswegs im Vordergrund der knapp zwei verbrachten Wochen in Taipeh: Die Veranstaltung an sich war das Besondere für den Tassilo-Schützen, der bereits als Baby nach einer Mittelohrentzündung beidseits die Hörfähigkeit verloren hat. "Wir sind uns vorgekommen wie die Könige, wurden den ganzen Tag von der Polizei geschützt“, erzählt Lackerbauer. Dass die 21. Sommer-Deaflympics als eindrucksvollste der Geschichte gelten, kann Lackerbauer gut nachvollziehen: "Alleine die Abschlussfeier war spektakulär, und hat die unbeschreiblichen Wochen gekrönt.“ Nach der langen Reise Mitte September will Lackerbauer nun allerdings erstmal eine Schieß-Pause einlegen und viel Zeit mit seinen beiden Söhnen verbringen. Die Vorbereitung auf die nächsten Höhepunkte geht früh genug wieder los: Im Jahr 2011 findet die Heim-EM in München-Hochbrück statt, bevor 2012 erstmals eine Weltmeisterschaft der gehörlosen Schützen ausgetragen wird. Lackerbauer aber schielt schon ins Jahr 2013: Bei den Deaflympics in Athen will er wieder dabei sein, und Monika Netz von den Tassilo Schützen formuliert die Zielsetzung optimistisch: "Nach dieser Steigerung hoffen wir in Athen wirklich auf Gold.“
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